KILIMANJARO

Begonnen hat dieses Abenteuer auf der Terrasse eines Restaurants in Delphi Anfang Oktober 2016. Wir genossen die kühle Abendluft und aßen gefüllte Weinblätter und gebratene Pilze, dazu tranken wir leckeren Hauswein. Viele Worte wurden gesagt und das Gespräch führte von einem Thema, zum anderen und plötzlich wurde der Gedanke geäußert: Kilimanjaro Besteigung.

Je mehr Monate verstrichen, desto größer wurde das Kribbeln im Bauch.  Die Vorbereitungen für die Reise und das Training für die Besteigung, machten nicht nur Spaß, sondern erleichterten die Wartezeit auf unser Vorhaben.

Eine Woche vor Reisebeginn machten wir eine 2-Tages-Tour auf den Groß Glockner mit Übernachtung auf der Adlersruhe zur Akklimatisierung.  Hier erfahrt ihr mehr darüber!

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Am Freitag, 23. Juni 2017, wurde es dann ernst: die Taschen, Rucksäcke und Koffer waren gepackt und langsam machte sich Spannung und ein klein wenig Nervosität breit. Nach einer langen Reise kamen wir dann in Moshi an.

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Am Sonntag starteten wir unser Abenteuer: Wir lernten unsere Guides kennen und fuhren zum Machame Gate. Als alle Formalitäten erledigt waren, konnten wir endlich losgehen. „Pole Pole“ (langsam, langsam) war bereits am ersten Tag das Motto. Diese zwei Wörter hörten wir noch oft bis zum Gipfel.

 

Durch den Regenwald ging es sehr gemütlich zum ersten Camp – Machame Camp knapp unter 3000m. Dort angekommen waren wir zuerst einmal richtig erstaunt über so viel Luxus am Berg. Neben zwei Schlafzelten gab es ein eigenes Zelt das als „Speiseraum“ diente. Zugegebener Maßen haben wir uns so etwas wirklich nicht erwartet. Als dann auch noch Popcorn zum Tee serviert wurde, waren wir mehr als begeistert.

 

Die Verpflegung am Berg war wirklich sehr gut! Zum Frühstück gab es jeden Tag Porridge, frisches Obst, Eier und Toastbrot. Mittagessen und Abendbrot bestanden immer aus einer gut gewürzten, frisch zubereiteten Suppe und einer kohlenhydratreichen Hauptspeise. Sogar an den Nachtisch wurde gedacht. Wirklich top!

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Die Träger waren unsere Helden am Berg! Sie waren unglaublich schnell unterwegs und schleppten alles Nötige von Camp zu Camp.

 

Der zweite Tag war wieder eine gemächliche Wanderung durch das Moorland. Die Flora war hier ganz besonders außergewöhnlich. Überall waren bunte Blumen (oben im Bild eine Fackellilie oder wie sie die Guides nannten: red-hot poker) und abgestorbene Bäume mit langen Flechten daran.

 

Diese Vegetationszone fand ich ganz besonders schön! Es war nicht mehr drückend schwül wie im Dschungel, aber auch noch nicht ganz so karg.

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Im Shira Cave Camp angekommen ruhten wir uns kurz aus und gingen dann mit unseren Guides noch ca. eine Dreiviertel Stunde weiter nach oben, zwecks Höhenanpassung. Pole Pole, aber effektiv. Bei dieser kleinen Tour kamen wir an der Shira Cave vorbei, einer kleinen Höhle, in der die Guides früher schliefen, bevor sie eigene Zelte hatten.

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Am dritten Tag war der sogenannte Akklimatisationstag. Rauf auf 4600m zum Lava Tower und dann wieder runter auf ca. 3900m ins Barranco Camp. Die beiden ersten Tage ließen die Besteigung wirklich wie einen lockeren Spaziergang aussehen, aber spätestens nach Tag drei merkten wir eins: die Höhe drückt einen runter! Kopfschmerzen machten die letzten Meter zum Tagesziel Lava Tower hart.

 

Trotzdem verweilten wir eine Zeit lang auf dieser Höhe, tranken und aßen bevor wir uns auf den Weg zu Camp 3 machten. Runter ging’s dann nicht mehr ganz so Pole Pole 😉

 

Kurz vorm Barranco Camp war die Natur wieder unglaublich schön. Überall waren diese eigenartigen, aber zugleich wunderschönen Bäume. Auch ein kleiner Wasserfall war zu sehen. Jeder Schritt nach unten, milderte die Kopfschmerzen und der Senecien-Wald bot einen traumhaften Blick.

 

Im Barranco Camp hatten wir einen unglaublich tolle Sicht auf den Kibu, wie die Einheimischen den Berg nennen.

 

Der Mittwoch startete mit dem einzigen ein wenig „technischen“ Teil der gesamten Route: die Baranco Wall oder wie sie von den Guides genannt wird – die Breakfast Wall, da man sofort nach dem Frühstück die etwa 300 m hohe Wand besteigt. Wirklich schwierig ist sie nicht, man braucht nur ab und zu die Hände.

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Hat man die Baranco Wall dann hinter sich, wird man mit einer traumhaft schönen Aussicht auf den Kilimanjaro belohnt. Wir machten kurz eine Snackpause und schossen einige tolle Bilder.

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Als wir uns dann auf dem Weg machten, merkten wir leider bald, dass sich unsere Wasserreserven dem Ende zuneigten und der Weg zum Karanga Camp schien dadurch schier endlos. Langsam machte sich Kopfweh breit. Notiz an uns selbst: lieber mehr schleppen, als ohne Wasser dazustehen.

 

Getrübt vom Kopfschmerz legten wir uns in das Zelt und versuchten uns auszuruhen, bevor es Mittagessen gab. Am späteren Nachmittag gingen wir dann nochmal zwecks Akklimatisierung eine Weile nach oben. Die Höhe spürten wir mittlerweile deutlich.

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Tag 5 führte uns durch die Desert-Zone zum Barafu Camp auf 4600m. Diese Vegetationszone gleicht einer Mondlandschaft. Hier war es wirklich ein wenig trostlos. Trotzdem gibt es auch hier noch einige kleine Mäuse. Die Guides erzählten uns, dass die Mäuse gut im Klettern sind.

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Im Camp angekommen gab es zuerst Mittagessen. Der Hunger war praktisch nicht vorhanden. Ich merkte bereits am Morgen, dass ich praktisch keinen Appetit mehr hatte und verspürte zunehmend Übelkeit. Ich versuchte so gut es ging irgendwie etwas hinunter zu bekommen. Beim Abendessen das selbe Spiel.

Nach einer kurzen Nachtruhe (von wirklichem Schlaf kann man nicht sprechen), gab es Frühstück und wir zwangen uns alle so viel wie möglich zu essen, um Kraft für die bevorstehende Gipfelnacht zu haben.

Am Freitag, 30. Juni 2017 00:00 Uhr starteten wir den Marsch zum Gipfel. Es war kalt, wir gingen sehr langsam, wurden von einigen Gruppen überholt. Einige Zeit später haben wir aber genau diese Gruppen dann wieder eingeholt. Später erklärten uns unsere Guides, dass sie zu schnell gestartet und genau aus diesem Grund, viele nicht am Ziel angekommen sind. Pole, Pole wurde zum Schlüssel für den Erfolg.

Aber Pole, Pole bedeutet auch, dass der Körper fast keine Wärme produziert und die Nacht war wirklich bitter kalt. Der Wind wehte zusätzliche eisige Temperaturen genau vom Gletscher auf uns herab. Wir konnten es gar nicht mehr erwarten bis endlich die Sonne aufging und ein wenig Wärme spendet.

 

Der Sonnenaufgang am Stellapoint war der schönste überhaupt. Allein schon das Gefühl schon soweit gekommen zu sein und zu wissen, dass der höchste Punkt Afrikas schon fast zum Greifen nah ist, war einfach unglaublich. In diesem Moment für mich noch nicht realisierbar.

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Die letzten Meter zum Uhuru Peak waren dann nach ca. 45 min auch geschafft. In dem Moment als wir da saßen und standen und Fotos machten, konnte ich es noch gar nicht glauben, dass ich wirklich auf dem Dach Afrikas, auf 5895m, stehe.

 

Nach einer gefühlten Ewigkeit und ca. 1000 geknipsten Fotos, war es eindeutig Zeit sich wieder auf den Weg nach unten zu machen. Die Höhe machte uns dann doch ein wenig zu schaffen.

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Beim Rückweg nahm ich mir dann auch die Zeit den Gletscher und den Krater zu betrachten. Später erzählten uns die Guides, dass im Krater Fußball und Rugby Trainingscamps stattfinden. Wahnsinn! Wenn man genau hinschaute, konnte man vom Kraterrand aus das Spielfeld sehen.

 

Aus den ca. 7 Stunden, die wir zuvor brauchten um die knapp 1300 Höhenmeter zum Gipfel hinauf zu überwinden, wurden beim Retourweg dann ca. 1,5 Stunden. unglaublich, wie schnell das ging! Wir rutschten auf dem feinen Sand/Schotter fast wie auf Schi hinab. Mit jedem Meter den wir hinter uns ließen wurde mir klar, was gerade passiert ist und mit jedem Schritt wurde die Freude darüber größer.

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Einige Meter vor dem Camp, warteten bereits ein paar aus unserem Team um uns zu gratulieren und ins Camp zu begleiten. Als Belohnung gab es Ananassaft und Gesang. Ich konnte meinen Gefühlen nicht länger stand halten und die ein oder andere Freudenträne lief mir über die Wangen.

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Überglücklich ruhten wir uns kurz aus, bevor es nach dem verdienten Mittagessen weiter nach unten ging. Der Rückweg folgte über die Mweka-Route. Vom Barafu Camp bis ins letzte Camp waren es dann noch einmal ca 1500 Höhenmeter runter.

 

Beim Abstieg zum Mweka Camp konnte man dann noch einmal alle Vegetationszonen des Kibu betrachten und bewundern. Die Schönheit der Flora hier ist wirklich unbeschreiblich und macht die Tour zu etwas ganz ganz besonderem.

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Die Nacht ging vorüber und am Morgen verabschiedete sich unser Team mit dem Kilimanjaro Lied von uns.

Beschwingt von den Erlebnissen der letzten Tage machten wir uns auf, zu unserem letzten Marsch durch den Regenwald. Die 1000 Höhenmeter haben wir dann auch wunderbar geschafft.

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Der Berg verlangt einem wirklich einiges ab. Neben körperlicher Fitness braucht man aber vor allem den Willen und Durchhaltevermögen. Auch wenn man in einem Moment in dem man sich gar nicht gut fühlt, man sich fragt warum man das alles überhaupt macht, fast schon aufgeben will, darf man die Hoffnung nicht aufgeben und muss den Willen haben trotz Übelkeit/Kopfschmerzen/Kälte/was auch immer es sein mag, weiterzumachen. Eins kann ich Euch sagen: gebt nicht auf, es lohnt sich!

Kilimanjaro (der härteste Spaziergang der Welt?) es war mir eine Ehre!

 

 

2 Kommentare zu „KILIMANJARO“

  1. Cooler Bericht! War vor ein paar Jahren in Tansania, allerdings war mir der Kili damals einfach zu teuer. Leider ist man ja verpflichtet Träger, Guide und Koch mitzunehmen…

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